Friday, May 12, 2006

Kleines Konversationslexikon für Haushunde (Juli Zeh)


Ein sehr süßes Buch für alle Hundeliebhaber unter euch, geschrieben aus der Sicht von Juli Zehs Hund Othello. Hier erfahrt ihr anhand von kleinen, amüsanten Lexikoneinträgen, was ihr schon immer über die Gefühlswelt eurer Hunde wissen wolltet. Und das ist gar nicht so profan wie ihr dachtet... Es finden sich beispielsweise auch Einträge zu Metaphysik, Buddhismus, Pawlow, Europäische Union... aber auch erwartete Beiträge wie Aas, Strafe, Sitz und Stöckchen.

Beispiel gefällig?
Reisen, ohne Hund
Was auch immer sich die moderne Mobilitätsgesellschaft zur Demobilisierung ihrer hundehaltenden Mitglieder ausdenkt- der Größte Anzunehmende Unfall tritt erst ein, wenn homo sapiens ohne seinen Haushund verreist. Die meisten Menschen vermuten, dass der Haushund sich in solchen Fällen aus dem Rudel verstoßen fühlt. Was, frage ich, hat es mit "Rudel" zu tun, wenn das einzige Wesen, das man von Herzen liebt, das einen füttert, unterbringt, streichelt, bürstet, spazieren führt, straft, belohnt und auch noch die Steuern bezahlt, plötzlich allein das Weite sucht?
Die Sache vollzieht sich wie folgt: An der Haustür pflegt homo sapiens zu erwähnen, dass man nicht so gucken soll und er doch bald wiederkommt. Aber Züge können entgleisen, Flugzeuge abstürzen und Autos als Blechhaufen im Straßengraben enden. Homo sapiens kann sich in eine ausländische Artgenossin verlieben und einen spontanen Wohnsitzwechsel beschließen, wobei er seinen alten Haushund im Überschwang der Gefühle vollkommen vergisst. Häuser können einstürzen, Kontinente versinken. Während der Abwesenheit seines Menschen auferlegt sich der Haushund daher strenge Askese ohne Essen und Schlaf, um die Götter milde zu stimmen. Die Wohnungstür wird zur Klagemauer, an der er seinen prophylaktischen Verlustschmerz lautstark Ausdruck verleiht.
Kaum ist der Mensch wieder da, ist alles gut, die Freude überwältigend, das Leid vergessen. Bis zu diesem Moment aber gilt: Wenn homo sapiens fährt, lasst alle Hoffnungen mit ihm fahren.

P.S. Und so guckt Laiki, wenn wir weggehen. ;o) Schwupps springt sie aufs Fensterbrett und klagt uns mit wehleidigen Blicken ihr Leid. Erfolg hatte sie dabei noch nicht. Wir sind bis jetzt noch immer gegangen, wenn wir es wollten... aber auch zurückgekommen und da ist das Glück ja bekanntlicherweise groß!

6 Comments:

Blogger nanoMAXI said...

ach laika hat da uns hinterhergeschaut?? ich dachte, die betrachtet den architektonisch und historisch hochgeradig wertvollen bunker vor meinem fenster... ;o)

1:24 AM  
Blogger Emotrine said...

Du weißt doch ganz genau, dass sie immer wenn du aus der Tür bist, aufs Fensterbrett hoppelt. ;o)

5:53 PM  
Anonymous Anonymous said...

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9:07 AM  
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Nice colors. Keep up the good work. thnx!
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10:14 PM  
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10:37 AM  

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